Rostock (04.03.2026) – Mit einer Mitgliedervisite bei der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern in Rostock ist die Gesundheitsregion Mecklenburg-Vorpommern e.V. in das Vereinsjahr 2026 gestartet. Im großen Hörsaal der Kammer informierte Dr. Tilo Schneider aus erster Hand sowohl aus Sicht des Haus- und Primärarztes als auch als Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung MV über den derzeitigen Stand und die von der Regierung geplanten Wege aus der angespannten Lage unseres Gesundheitssystems.
| Zur Person: |
| Der gebürtige Rostocker Dr. med. Tilo Schneider ist niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in seiner Heimatstadt. Seit März 2024 engagiert er sich berufspolitisch als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV). Er vertritt das hausärztliche Ressort im Vorstand und betreibt eine überörtliche Gemeinschaftspraxis in Rostock-Schmarl sowie Zweigstellen auf dem Land in den Ortschaften Gelbensande und Blankenhagen. |
Gleich zu Beginn seines Vortrages stellte Schneider klar, das trotz aller strukturellen Probleme des Gesundheitssystems man in Deutschland im internationalen Vergleich immer noch ein sehr hohes Volumen an Gesundheitsleistungen erbracht werde. Allerdings seien die Herausforderungen besonders in finanzieller Hinsicht sehr groß. „Wir werden uns unser Gesundheitssystem, so wie es jetzt ist, in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr leisten können“, gab Schneider zu.
Besonders großen Anteil an den Kosten der Gesundheitsversorgung – ungefähr ein Drittel – nähmen die Krankenhäuser in Anspruch. Im europäischen Vergleich habe man in Deutschland sehr viele Betten pro Einwohner. In Mecklenburg-Vorpommern gäbe es allein 37 Häuser. Als eine der möglichen Maßnahme Kosten zu senken, so Schneider, werde man nicht um die Schließung von Notaufnahmen in kleineren Krankenhäusern herum kommen.
Das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsversorgung in der Kommune (Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz – GVSG) würde bislang kaum bis nur sehr schleppend umgesetzt. Dazu gäbe es zahlreiche weitere Riesenbaustellen, so Schneider. Er nannte in diesem Zusammenhang das Thema der Pflegeversicherung und das der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Letztere sei 25 Jahre alt. Einzelfälle würden extrem gering vergütet. Ärzte verdienen über die Menge von Patienten, sagte Schneider.
Das im September 2025 im Landtag auf den Weg gebrachte sogenannte Landarztgesetz, wonach eine Quote für Landärzte bei den Medizinstudienplätzen die Zahl der Ärzte in strukturschwachen Teilen des Landes mittelfristig erhöhen helfen soll, sieht Schneider skeptisch. Dabei müssen sich Bewerber auf diese Studienplätze verpflichten, mindestens zehn Jahre nach Abschluss des Studiums als Hausarzt oder Kinderarzt in unterversorgten ländlichen Regionen tätig zu sein. Dies ermöglicht ein Studium ohne den strengen NC.
Das Thema der elektronischen Patientenakte riss Schneider nur kurz an. „Da ist viel versprochen worden, aber kaum etwas ist umgesetzt“, so der Mediziner. Nur vier Prozent der Patienten hätte bis jetzt überhaupt den Zugang zu ihrer Akte aktiviert.
Als eine Möglichkeit, Kosten zu senken, die sich in seiner Praxis bewährt habe, bezeichnete Schneider die Delegation verschiedenster ärztlicher Tätigkeiten an Medizinische Fachangestellte (MFA). Dazu gehören Blutentnahmen, EKG, Lungenfunktionstests, Injektionen, Infusionen anlegen usw. Ebenso plädierte Schneider für Praxisverbünde und Zweigstellensysteme bei Praxen, um die medizinische Versorgung in ländlichen Bereichen zu sichern. Das habe seiner persönlichen Erfahrung nach mit den Zweigstellen in Gelbensande und Blankenhagen bewährt.
Für MV sieht der Mediziner die ärztliche Versorgungslage optimistisch: „Wir sind hier ganz gut aufgestellt“. Im deutschlandweiten Vergleich sei es hier tatsächlich nicht so dramatisch. „Wir haben verhältnismäßig viele Ärzte im Land“, so Schneider. Zwar seien davon viele schon älter, aber die Situation sei dennoch stabil. Die Nachwuchsquote sei annehmbar. Rund ein Drittel der Arztpraxen seien Neuzulassungen. Dazu würde sich durch den demografischen Wandel die Zahl der Patienten insgesamt landesweit allmählich verringern. Außerdem beobachte man eine deutliche Zunahme von Studierenden der Allgemeinmedizin an den Hochschulen in MV.
















