Keine Wölfe in den CT

Experten diskutieren Zukunft der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern

Rostock (20.10.2015 – Aula Universität) – Claus Ruhe Madsen möchte nicht, dass im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern eines Tages so viele Computertomographen stehen, dass angesichts der Überkapazitäten dann auch der wieder heimisch werdende Wolf in eben jene geschoben werden könnte. Mit diesem und einigen anderen erheiternden Bonmots sorgte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Mecklenburg-Vorpommern für launige, aber ebenso nachdenkliche Wortbeiträge bei der Podiumsdiskussion der „Gesundheitsregion Mecklenburg-Vorpommern e.V.“, die in der Aula der Rostocker Universität ein ernstes Thema zum Schwerpunkt hatte.

 

151020 gr podium 009

Angeregt von einem Impulsvortrag von Prof. Dr. med. Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock, diskutierten kompetente Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik unter der fachkundigen Moderation von Rechtsanwältin Jessica Hanneken (ehem. Beyer), Expertin für Gesundheitspolitik der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, die Zukunft des Gesundheitswesen in dem Land, das laut Werbeslogan „gut tut“. Was zweifellos zutrifft und auch die Meinung des weitaus überwiegenden Teils der Bevölkerung ist.

151020 gr podium 036 151020 gr podium 011 151020 gr podium 038

Die aber wird immer älter und nicht eben gesünder. Und die, die beispielsweise aus den alten Bundesländern zu uns ziehen, tun dies meist vor allem deshalb, weil sie ihren Lebensabend in Ruhe und eben in einem Land verbringen wollen, in dem es sich leben lässt. „Wie bekommen wir die Patienten in die spezialisierte Behandlung. Das ist eine Frage in einem Bundesland mit der Weite von rund 300 Kilometern“, bestimmte Prof. Schmidt einen Aspekt der perspektivischen Anforderungen.

151020 gr podium 012 01

Die sind so vielschichtig, dass die Experten im Podium sie nur anreißen und bei weitem nicht ausdiskutieren konnten. “Das hatte ich auch nicht erwartet. Aber ich habe dennoch eine Menge für die tägliche Arbeit mitgenommen. So viel Fachkompetenz aus so vielen verschiedenen Bereichen in einer durchaus kontroversen Diskussion zu erleben, hat sich gelohnt”, sagte Vereins-Schatzmeister Falk Schröder, Direktor der Deutschen Apotheker- und Ärztebank Schwerin.

151027 gr runde

Hier finden Sie den kompletten Beitrag im pdf-Format

Interview mit Prof. Hauenstein

“Ostsee-Zeitung” – 21.10.2015: “Experte: MV braucht mehr Mediziner”

In einem Interview am Rande der Podiumsdiskussion mit der  „Ostsee-Zeitung“ Rostock (21.10.2015) sagte Vereinsvorsitzender Prof. Dr. Karlheinz Hauenstein, dass Mecklenburg-Vorpommern als Modellregion für den demografischen Wandel gesehen werden kann. „Die in der gesamten Bundesrepublik zu erwartende Altersstruktur durch Abwanderung besonders jüngerer Einwohner in Ballungszentren gibt es bei uns schon jetzt. Die Herausforderungen die gesundheitliche Versorgung auch in ländlichen Regionen ist hier 20 Jahre früher zu beobachten als anderswo“, sagte der Professor für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Universität Rostock.

Der Beitrag im Wortlaut:

Rostock. Der aktuelle Flüchtlingsstrom stellt das Gesundheitssystem in MV vor große Herausforderungen. “Wenn wirklich 1,5 Millionen Menschen nach Deutschland kommen und auch hierbleiben, werden wir umdenken müssen”, sagte Professor Karlheinz Hauenstein, Vorsitzender des Vereins “Gesundheitsregion Mecklenburg- Vorpommern”, gestern am Rande einer Tagung zur Zukunft der Medizin in MV in Rostock. Dadurch böten sich auch Chancen, betonte Hauenstein. “Unter den Flüchtlingen sind viele kinderreiche Familien. Daher werden wir mehr Kinderkliniken und Frauenärzte brauchen.” Davon könne dann auch die alteingesessene Bevölkerung profitieren, nachdem in den vergangenen Jahren die Zahl der Kinderärzte deutlich zurückgegangen war und mehrere Geburtsstationen in ländlichen Regionen geschlossen wurden.

 

Nach Überzeugung Hauensteins müssen auch die Ausbildung an den Universitäten überdacht und mehr Medizinstudenten zugelassen werden. “Derzeit setzen wir vor allem auf Ärzte, die sich mit Alterserscheinungen befassen, wie Neurologen und Internisten.” Abhilfe könne auch aus Reihen der Asylbewerber selbst kommen: “Mehrere Ärzte, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, arbeiten bereits in den Erstaufnahmelagern”, sagte Hauenstein. Aus Fachkreisen komme der Vorschlag, diesen Ärzten zu ermöglichen, nach einer neunmonatigen Fortbildung eine Zulassung in Deutschland zu beantragen.

 

Im Mittelpunkt der Rostocker Tagung stand das Thema Bevölkerungsentwicklung. MV könne als Modellregion für den demografischen Wandel gesehen werden, sagte Hauenstein. “Die in der gesamten Bundesrepublik zu erwartende Altersstruktur durch Abwanderung besonders jüngerer Einwohner in Ballungszentren gibt es bei uns schon jetzt. Die Herausforderungen die gesundheitliche Versorgung auch in ländlichen Regionen ist hier 20 Jahre früher zu beobachten als anderswo.” Heute müssten die Weichen gestellt werden, damit MV auch künftig Gesundheitsland Nr. 1 bleiben könne.
axb